Ophthalmologie

Ohne adäquate Blutversorgung keine optimale Funktion

Organe können nur bei adäquater Blutversorgung gut funktionieren. Dies gilt insbesondere für das Auge. Die Durchblutung des Auges muss jederzeit den momentanen Bedürfnissen angepasst werden, u.a. um die Schwankungen des Perfusionsdruckes auszugleichen, um sich den wechselnden neuronalen Aktivitäten anzupassen oder auch um die Temperatur am Fundus trotz Schwankungen der Außentemperatur konstant zu halten. Deswegen sind der Blutfluss in Ruhe sowie die Fähigkeit der Gefäße den Blutfluss zu regulieren von zentraler Bedeutung.

Folgen von Durchblutungsstörungen für das Auge:

  • Die relativ seltenen akuten Verminderungen der Blutversorgung führen zur Infarzierung, z.B. der Netzhaut oder der Papille.
  • Die viel häufigeren chronischen Minderperfusionen begünstigen schlechte Krankheitsverläufe und im Extremfall die Bildung von Neovaskularisationen.
  • Die wegen einer gestörter Regulation schwankende Sauerstoffversorgung erhöht den lokalen oxidativen Stress, ein zentraler Faktor in der Pathogenese vieler Krankheiten.
  • Hypoxie und oxidativer Stress schädigen die Bluthirnschranke und begünstigen damit die Bildung von Ödemen und Blutungen.

Bedeutung der Imedos-Technologie

  • Oft ist eine gestörte Durchblutung die Ursache vieler Augenkrankheiten bzw. ein wichtiger Co-Faktor für das Auftreten oder das Fortschreiten der Augenkrankheit. Die Imedos-Technologie ermöglicht es, diese vaskulären Komponenten zu diagnostizieren und anschließend den Einfluss einer Therapie zu überprüfen.
  • Interdisziplinärer Ansatz: Bei vielen Systemerkrankungen wie z. B. Diabetes, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen oder Rheuma kann der Augenarzt durch Untersuchungen der Blutgefäße am Auge, den Kollegen von anderen Fachgebieten schon in der Frühphase entscheidende Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand der Gefäße (die Gefäßgesundheit) sowie über das Ansprechen einer Therapie oder einer Prophylaxe liefern.

Der Fokus der Imedos-Technologie liegt auf den Netzhautgefäßen, da:

  • Eine funktionierende Netzhaut essentiell ist,
  • Die Gefäße der Netzhaut optisch zugänglich sind,
  • Die Aktivität der Netzhaut durch Flickerlicht kontrolliert gesteigert und so die Fähigkeit und Kapazität der Regulation der Blutgefäße gemessen werden kann,
  • Die retinalen Blutgefäße nicht autonom innerviert sind und die Funktion der vaskulären Endothelzellen so spezifisch gemessen werden kann.

Warum sind die vaskulären Endothelzellen von besonderem Interesse?

Die Endothelzellen sind entscheidend an der Regulation der Netzhautdurchblutung beteiligt. Ein Mensch besitzt mehrere Billionen dieser Endothelzellen. Interessanterweise kann man vom Gesundheitszustand dieser Zellen in der Netzhaut sehr gut auf den Gesundheitszustand dieser Zellen im ganzen Körper schließen. Sowohl bei kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen als auch bei primären vaskulären Dysregulationen sind immer zuerst die vaskulären Endothelzellen betroffen.

Unsere Technologien

Statische Gefäßanalyse (SGA) mit dem Static Vessel Analyzer (SVA)

Die SGA misst die Durchmesser der retinalen Arterien und Venen und liefert daraus die berechneten Gefäßparameter CRAE, CRVE und AVR. Enge Arterien und weite Venen sind die besten heute bekannten Prädikatoren für spätere zerebrovaskuläre Krankheiten.

Die berechneten Parameter zeigen die kumulative Wirkung sämtlicher Einflussparameter auf die Gefäßgesundheit, wie z. B. Rauchen, Stress, Bewegungsarmut etc. Damit kann das vaskuläre Risiko bereits in einer frühen, asymptomatischen Phase erkannt werden. Das wiederum ist Basis für eine möglichst frühe Prophylaxe. Die SGA erfolgt nichtinvasiv und berührungslos. Die Untersuchung ist daher nicht belastend für den Patienten und kann ohne Pupillenerweiterung durchgeführt werden.

Dynamische Gefäßanalyse (DGA) mit dem Dynamic Vessel Analyzer (DVA)

Der DVA zeigt den Gesundheitszustand der Mikrozirkulation und insbesondere der vaskulären Endothelzellen. Damit wird ersichtlich ob eine Krankheit wie Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie etc. die Gefäße bereits geschädigt hat oder nicht. Zusätzlich liefert der DVA Informationen über die Qualität und Kapazität der Autoregulation und zeigt damit, ob und wie gut das Auge Schwankungen des Augendruckes und des Blutdruckes noch ausgleichen kann.

Genau wir die SGA erfolgt auch diese Untersuchung nichtinvasiv und berührungslos und somit völlig schmerzfrei für den Patienten.

IOPstim

Ist ein spontaner Venenpuls sichtbar, so ist der RVP normal. Fehlt diese spontane Pulsation, muss der Augendruck so weit erhöht werden, bis die Venen pulsieren. Daraus leitet sich der RVP ab. Der IOPstim ermöglicht die Erhöhung des Augendruckes ohne unangenehme Nebeneffekte und erleichtert und verbessert damit die RVP-Messung.

Steigt der Druck in den Venen der Netzhaut an, so sinkt der Perfusionsdruck, was zur Hypoxie beiträgt. Gleichzeitig steigt der transmurale Druck, ein wichtiger Faktor bei der Bildung von Ödemen und Blutungen. Da das Blut des Sehnervenkopfes über die retinalen Venen abfliesst, ist ein erhöhter RVP auch wesentlich an Krankheiten der Papille beteiligt.

Anwendungsbereiche (Krankheitsbilder in der Ophthalmologie)

Retinale arterielle Verschlüsse

Die Untersuchung mit dem SVA am Partnerauge gibt Auskunft über den allgemeinen Gesundheitszustand der Blutgefäße und damit über das Risiko für weitere Gefäßverschlüsse, sei es am Auge oder in anderen Organen.

Retinale venöse Verschlüsse

Ob ein venöser Verschluss durch eine arterielle Krankheit bedingt ist, zeigt die SGA am Partnerauge. Häufig ist der RVP auch am Partnerauge erhöht. Eine medikamentöse Senkung des RVP verbessert die Prognose des betroffenen Auges und vermindert das Risiko für einen Venenverschluss am zweiten Auge.

Glaukom

Schreitet bei einem Glaukom-Patienten ein Schaden trotz normalem oder normalisiertem Augendruck voran, dann zeigt die SGA und Untersuchung mit dem DVA, ob und in welcher Form eine vaskuläre Krankheit vorliegt. Ist beides gestört, so handelt es sich meist um ein Problem im Formenkreis der Arteriosklerose und deren Risikofaktoren. Sind die statischen Gefäßparameter hingegen unauffällig und die Untersuchung mit dem DVA zeigt eine gestörte Endothelfunktion, so liegt eine therapierbare primäre vaskuläre Dysregulation vor.

Ist der RVP erhöht, so wird dadurch auch die Durchblutung des Sehnervenkopfes vermindert. In diesem Fall muss nicht nur der Augendruck, sondern auch der RVP gesenkt werden.

Diabetische Retinopathie

Die SGA zeigt frühzeitig das Risiko für die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie. Bei einer bereits sichtbaren, nicht-proliferativen Retinopathie zeigt sie das Risiko für vaskuläre Komplikationen, inklusive der Entwicklung einer proliferativen Retinopathie.

Die Untersuchung mit dem DVA zeigt ob und wie gut die Netzhautdurchblutung noch reguliert werden kann. Ein erhöhter RVA verstärkt die Hypoxie und damit die Bildung von Cotton-Wool-Flecken und Neovaskularisationen. Ein hoher RVP erhöht ebenfalls den transmuralen Druck und trägt so zur Bildung von Ödemen, harten Exsudaten und Blutungen bei.

Chorioretinopathia centralis serosa

Bei der CRCS können mit einer ICG-Angiographie lokale Fehlregulationen der Choroidalgefäße erkannt werden. Die häufig zugrundeliegende Dysregulation wird jedoch auch durch verminderte Antworten im DVA und einem Anstieg des RVP angezeigt.

Retinopathia pigmentosa (RP)

Hier ist die Durchblutung des Auges teils sekundär, teils primär reduziert. Zeigt die Untersuchung mit dem DVA eine endotheliale Dysfunktion, liefert dies den Hinweis, dass eine Komponente davon primär ist. Meist ist dabei auch der RVP erhöht. Beides kann therapeutisch verbessert werden.

Perioperativer Sehverlust

Ein akuter Sehverlust im Zusammenhang von Operationen, z.B. nach Eingriffen an der Wirbelsäule sind selten aber schwerwiegend. Eine gestörte Regulationsfähigkeit, sichtbar im DVA, erklärt eine fehlende oder ungenügende Anpassung, z.B. an eine spezielle Lagerung. Ist der RVP erhöht, so ist das eine weitere Erklärung des Ereignisses und ermöglich eine Prophylaxe.

Höhenkrankheit

Nimmt der Sauerstoff-Partialdruck ab, so entwickelt ein Teil der Menschen eine Höhenkrankheit. Die Betroffenen haben meist schon vorbestehend verminderte Antworten im DVA und steigern dann in der Höhe ihren RVP stärker als andere.

Flammer Syndrom (FS)

Das FS ist eine allgemeine Prädisposition, mit den Blutgefäßen auf Stimuli anders zu reagieren. Die Folgen zeigen sich am Auge besonders häufig. Oft ist der RVP erhöht, die Antwort im DVA vermindert, die Gefäßdurchmesser im SVA aber normal. Liegt diese Konstellation vor, so ist das Risiko größer, eine FS-assoziierte Krankheit zu entwickeln.